Es gibt diesen Moment, in dem Sie einen Schauspieler zum ersten Mal sehen und sofort wissen: Der hier macht etwas anders. Bei Eddie Redmayne war das für mich 2012 in "Les Misérables". Er spielte Marius, sang "Empty Chairs at Empty Tables" mit einer Zerbrechlichkeit, die ich bis dahin nur von Theaterbühnen kannte. Ich saß im Kino und dachte: Wer ist das bitte?
Seitdem habe ich seine Karriere ziemlich genau verfolgt. Nicht aus Fan-Verehrung, sondern aus Neugier. Denn die Filme von Eddie Redmayne folgen keinem geraden Weg. Da sind oscarprämierte Rollen, riesige Fantasy-Franchises, ein paar Experimente, die schiefgingen, und eine Serie, die ihn 2024 noch einmal neu positioniert hat. Genau diese Mischung macht die Filmografie spannender als die eines glatt polierten Leading Man.
Wichtige Erkenntnisse
- Seinen Oscar gewann Redmayne 2015 für "Die Entdeckung der Unendlichkeit" als Stephen Hawking.
- Als Newt Scamander in "Phantastische Tierwesen" wurde er einem Millionenpublikum bekannt, das mit Biopics wenig anfängt.
- Deutsch spricht er nicht — er hat die Sprache nie öffentlich gelernt.
- Ein vierter "Phantastische Tierwesen"-Film ist offiziell nicht bestätigt.
- Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.
Filme von Eddie Redmayne: der rote Faden durch eine ungewöhnliche Karriere
Wenn Sie sich die Filmografie chronologisch ansehen, fällt etwas auf. Redmayne hat nie den sicheren Weg gewählt. Nach dem Oscar hätte er zehn Jahre lang historische Figuren spielen können. Stattdessen ging er in ein Fantasy-Universum, spielte danach eine transgeschlechtliche Malerin, einen dänischen Serienmörder und einen Auftragskiller mit Gewissensproblemen.
Die frühen Jahre: Theater, Nebenrollen, erste Gehversuche
Bevor Hollywood ihn entdeckte, war Redmayne ein Theater-Schauspieler aus London. Geboren am 6. Januar 1982, Eton-Absolvent, Cambridge-Studium. In den 2000er-Jahren spielte er kleine Rollen, unter anderem in "The Good Shepherd" an der Seite von Matt Damon. Ehrlich gesagt: Diese Filme würde ich heute nicht mehr anschauen, um Redmayne zu sehen. Sie zeigen ihn noch nicht.
"Les Misérables" und die Entdeckung der Unendlichkeit
Zwei Rollen haben seine Karriere geprägt wie keine anderen. 2012 war das Musical, 2014 dann das Biopic. In "Die Entdeckung der Unendlichkeit" spielte er Stephen Hawking von den frühen Cambridge-Jahren bis zur späten Krankheit. Für die Vorbereitung hat er monatelang die ALS-Symptome studiert, mit Physiotherapeuten gearbeitet, die Muskeldegeneration in Etappen aufgebaut. Das Ergebnis war keine Imitation, sondern eine körperliche Verwandlung, die man so selten im Kino sieht.
Der Lohn: Oscar als Bester Hauptdarsteller, Golden Globe, BAFTA. Alles in einer Saison.
Phantastische Tierwesen: der Bruch mit dem Biopic-Image
2016 kam dann der Kurswechsel. "Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind" war ein Spin-off der Harry-Potter-Welt, und Redmayne spielte Newt Scamander — schüchtern, kauzig, ständig mit einem Koffer voller Kreaturen unterwegs. Ich war anfangs skeptisch, muss ich zugeben. Nach Hawking schien das wie ein Rückzug ins Familiengenre. War es aber nicht. Die Rolle hat ihm gezeigt, wie viel komödiantisches Timing in ihm steckt.
Drei Filme sind bislang erschienen, der letzte 2022. Danach wurde es still um das Franchise.
Welches Genre passt zu welchem Kinogeschmack?
Für die Übersicht lohnt sich eine grobe Einteilung. Wer Redmayne entdecken will, sollte nicht mit dem Fantasy-Zyklus anfangen. Hier eine Orientierung:
| Genre | Beispielfilm | Für wen geeignet? |
|---|---|---|
| Drama bzw. Biopic | Die Entdeckung der Unendlichkeit | Wer ruhige Kinostunden mit schauspielerischer Wucht mag |
| Fantasy | Phantastische Tierwesen | Familien, Harry-Potter-Publikum, Einsteiger |
| Musical | Les Misérables | Wer Gesangsrollen nicht scheut |
| Thriller | The Day of the Jackal | Serien-Fans, Spannung ohne Fantasy-Kulisse |
| Experimentelles Drama | The Danish Girl | Zuschauer, die schwierige Themen aushalten |
Für welchen Film hat Eddie Redmayne einen Oscar bekommen?
Er gewann den Oscar als Bester Hauptdarsteller 2015 für seine Darstellung des Stephen Hawking in "Die Entdeckung der Unendlichkeit". Der Film lief Ende 2014 in den US-Kinos und kam Anfang 2015 in die deutschen Kinos. Die Academy zeichnete ihn bei der 87. Verleihung aus. Es ist bis heute seine einzige Oscar-Trophäe, und es blieb bei einer einzigen Nominierung in dieser Kategorie.
Wie realistisch war die Darstellung eigentlich?
Hawking selbst hat sich mehrfach wohlwollend geäußert, und die Familie war in die Produktion eingebunden. Was mich beim erneuten Anschauen überrascht hat: Die emotionale Leistung liegt nicht in den späten Szenen. Sie liegt früh, wenn er die Diagnose bekommt und innerhalb weniger Minuten von Trotz zu Akzeptanz kippt. Diese zwei Minuten sind der eigentliche Oscar-Moment, nicht das große Finale.
Kann Eddie Redmayne Deutsch?
Nein. Er spricht kein Deutsch, jedenfalls nicht öffentlich. In Interviews tritt er auf Englisch auf, gelegentlich mit französischen Brocken aus seiner Schulzeit. Für deutsche Kinofassungen wird er daher durchgehend synchronisiert, wie fast alle internationalen Stars. Wer ihn im Original hören will, muss zur Originalfassung greifen.
Kleiner Einschub, weil ich das oft gefragt bekomme: Bei Preisverleihungen und Pressekonferenzen ist sein Englisch ein sehr gepflegtes, akademisches Oxford-Englisch — das passt zu seiner Eton-und-Cambridge-Biografie und ist auch der Grund, warum er in Historienfilmen so glaubwürdig wirkt.
Gibt es einen 4. Teil von "Phantastische Tierwesen"?
Stand jetzt: offiziell nicht bestätigt. Warner Bros. hatte ursprünglich fünf Filme angekündigt. Nach dem dritten Teil (2022) und dem schwächeren Einspielergebnis wurde die Reihe nicht offiziell fortgesetzt, aber auch nie für beendet erklärt. Es gab in den vergangenen Jahren immer wieder Meldungen über einen möglichen Neustart des Harry-Potter-Universums als Serie, was einen vierten Tierwesen-Film eher unwahrscheinlicher macht.
Redmayne selbst hat sich dazu zurückhaltend geäußert. Er würde die Rolle nach eigener Aussage wieder übernehmen, aber das ist kein Vertrag. Wer auf einen vierten Teil wartet, sollte das ohne festen Kinotermin tun.
Hat Eddie Redmayne Kinder?
Ja, zwei. Er ist seit 2014 mit Hannah Bagshawe verheiratet, einer ehemaligen PR-Managerin. Die gemeinsame Tochter kam 2016 zur Welt, ein Sohn 2018. Die Familie lebt in London, und Redmayne hält sein Privatleben auffällig kurz — kaum gemeinsame rote Teppiche, keine Social-Media-Auftritte der Kinder, keine Interview-Anekdoten über den Familienalltag.
Das ist übrigens ein Muster, das mir bei ihm insgesamt auffällt: Er spricht in Interviews lieber über Handwerk als über sich. Über Vorbereitung, Körperarbeit, Stimme. Persönliches bleibt knapp.
Kriegsfilm oder Sniper-Rolle: gibt es das bei Redmayne?
Diese Frage taucht regelmäßig auf, und ich verstehe, woher sie kommt. Redmayne hat in "The Day of the Jackal" einen Scharfschützen gespielt, und im deutschen Sprachraum wird die Serie gelegentlich unter Action- oder Kriegsfilm-Schlagwörtern einsortiert. Das greift zu kurz. Die Serie ist ein Thriller über einen Auftragskiller und die Agentin, die ihn jagt — kein Kriegsfilm im klassischen Sinne. Wer "Saving Private Ryan" mit Redmayne erwartet, wird enttäuscht.
Einen echten Kriegsfilm in seiner Filmografie gibt es nicht. Was es gibt: "The Good Shepherd" über die Frühzeit der CIA, eher Spionagedrama als Kriegsfilm.
The Day of the Jackal: die Rolle, die viele überrascht hat
2024 kam die Serie, und ich muss zugeben: Ich habe sie an einem Wochenende durchgeschaut. Was mich beeindruckt hat, war weniger die Action als die Ruhe. Redmayne spielt einen Mann, der ständig seine Identität wechselt, und er spielt diese Wechsel nicht durch Verkleidungen, sondern durch eine minimale Veränderung in der Körperhaltung. Das ist ein sehr theatraler Zugang zur Kameraarbeit, und er funktioniert.
Eine zweite Staffel wurde angekündigt. Damit ist The Day of the Jackal neben den Tierwesen-Filmen der zweite große Franchise-Anker in seiner Laufbahn.
Was ist Redmaynes neuer Film?
Nach dem Erfolg der Serie und mehreren angekündigten Projekten hat sich Redmayne zuletzt stärker auf Streaming-Formate konzentriert. Einen abgeschlossenen Kinofilm, der in diesem Jahr in den deutschen Kinos startet, gibt es nach aktuellem Stand nicht. Wer seine Arbeit verfolgen will, sollte die Serienprojekte im Blick behalten.
Ehrlich gesagt finde ich diese Entwicklung nicht überraschend. Die Rollen, die ihn interessieren — zwiespältige Figuren mit inneren Widersprüchen — werden heute häufiger für Serien geschrieben als für den Kinosaal. "The Danish Girl" (2015) wäre heute wahrscheinlich eine Miniserie.
Zur Frage nach einer Krankheit
Diese Suchanfrage hängt fast immer mit einer Verwechslung zusammen. Redmayne ist nicht krank. Er hat für "Die Entdeckung der Unendlichkeit" die ALS-Erkrankung von Stephen Hawking gespielt und für die Rolle körperlich stark abgenommen und die Muskelbewegung eingeübt. Nach Drehschluss hat er wieder Normalgewicht erreicht. Wer nach "Eddie Redmayne Krankheit" sucht, landet also meist bei der Rolle, nicht bei der Person.
Es gibt zusätzlich eine bekannte Farbsehschwäche bei ihm — eine Rot-Grün-Schwäche, über die er selbst gesprochen hat. Sie hat ihn bei der Rollenwahl aber nie eingeschränkt.
Was von dieser Filmografie bleibt
Wenn ich aus all den Jahren und all den Rollen einen Satz ziehen müsste, dann diesen: Redmayne ist ein Schauspieler, der seine Karriere lieber als Versuchsreihe führt denn als Leiter. Nicht alles gelingt. "Jupiter Ascending" war ein Fehlschlag, und er selbst hat später offen gesagt, dass ihm die Rolle nicht gelungen sei. Aber genau diese Bereitschaft zum Scheitern hat ihm Rollen beschert, die kein anderer hätte spielen können.
Und vielleicht ist das die eigentliche Antwort auf die Frage nach den Filmen von Eddie Redmayne: Sie sind keine Sammlung von Hits. Sie sind eine Sammlung von Entscheidungen. Wer eine davon anschaut, sieht immer auch, wofür er sich entschieden hat — und was er dafür aufgegeben hat.